Freitag, 17. Mai 2019

Deckenprojekt mit Schafwolle II Teil 6 Wolle vom Charollais Schaf

Es ist schon immer etwas besonderes ein Vlies zu verarbeiten, bei dem man auch bei der Schur dabei war. Kürzlich hatte ich euch ja von der Schur bei den Charollais Schafen berichtet. So gibt es mal wieder ein Teil für mein Deckenprojekt II aus Schafwolle aus der Wolle vom Charollais Schaf.


Das Charollais Schaf ist eine französische Fleischrasse. Die Wolle ist elfenbeinfarbig und die Fasern sind sehr kurz, dafür aber fein. Faserstärke 23-27 micron. Die Wolle ist völlig stichelfrei. Die Fasern sind so kurz, dass das Vlies leicht auseinander fällt.

 
 

Der Schafhalter meinte erst, na ja heisst die Wolle mit ihren kurzen Fasern kann man nicht verspinnen. So hatte ich also gleich mein Rohwoll- Spinnrad mit zur Schur gebracht und es vor Ort ausprobiert. Ging wunderbar! Trotz ihrer kurzen Faserlänge lässt sie sich sehr gut spinnen. Allerdings nicht wie ich es erst versucht habe mit Rolags und dann im langen Auszug, das war schwierig und ergab kein wirklich schönes Garn.



Rolags im langen Auszug versponnen
Am schönsten wurde der Faden direkt aus dem Vlies im kurzen Auszug. Die Strickprobe ist unglaublich elastisch. Kann mich nicht entsinnen schonmal so eine elastische Faser versponnen zu haben. Im Fleece and Fiber Sourcebook stand es auch, dass es besser ist im kurzen Auszug, doch wollte ich es noch selber testen. Sehr spannende Wolle, die trotz ihrer sehr kurzen Faser  viel Spass macht zu verspinnen.

 
links ein Stück Vlies, Mitte Einfach Garn gesponnen aus Rolags im kurzen Auszug und rechts Garn gesponnen aus dem frischen Vlies im kurzen Auszug und dann verzwirnt


Zum Filzen ist die Wolle nicht geeignet.


"Das Charollais-Lamm ist die Frucht einer ökonomischen Selektion in seiner Herkunftsregion.  
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts dehnte sich die Region von den Bergen des Massif du Morvan bis zu den Tälern des Charolais und zur Ebene der Bresse aus. Man hielt eine vielfältige Schafspopulation, die « Morvandelle ». Ihre Hauptaufgabe bestand in der Versorgung der Pariser Region mit Schaffleisch.
Mit dem Aufschwung der Wollindustrie waren die Züchter bestrebt, die Qualität der Wolle durch den Import von Schafen der Rasse „Merino“ zu verbessern, die indessen nicht mit diesen lokalen Populationen gekreuzt wurden.
Ungefähr im Jahr 1820 führten die Probleme in der Wollindustrie dazu, dass sich die Züchter erneut der Fleischproduktion zuwandten. Der Import von Zuchtschafen der Rasse « Dishley » und deren Kreuzung mit dem lokalen Bestand erlaubten es, einen einheitlicheren Schafbestand zu produzieren. Die Rasse « Mouton Charollais », die auch unter dem Namen  « Mouton de Pays » bekannt ist, war geboren.
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