Donnerstag, 29. August 2013

"Die Letzte Wolle" kardiert ∙Nachruf∙

Nun gibt es "Michi" wirklich nicht mehr auf dieser Welt. Danke Michi für deine wunderbare Wolle "ostfriesisch meliert" die du mir geschenkt hast ! So gab es schon letztes Jahr die letzte Wolle von Michi. Er ist nun im Schafhimmel und es geht ihm hoffentlich gut. So ist dies hier nun die letzte Wolle die von ihm kardiert wurde.

 
 
 
 

Die Wolle gehörte / gehört  zu meiner Lieblingswolle, daher produzierte ich so Einiges daraus: Ein filigranes Tuch 1, Filigranes Tuch 2 , Mützen, eine Strickjacke, ein Teil für mein Deckenprojekt .

 

Gewaschen hatte ich die letzte Wolle hier  schon.   Neu für mich ist,  dass ich die Wolle diesmal kardieren ließ. Michi war ein " Pflegekind", er wurde verwahrlost aus einem Cottbusser Stall von liebevollen Pflegeeltern gerettet und konnte auf dem wunderbaren  Fleckschnupphof ein tierwürdiges Leben führen.

Sonntag, 25. August 2013

Das blaue Wunder - Wolle mit Waid gefärbt - Teil III

Nach der Schneckeninvasion und anschließenden Rettungsaktion der Waidpflanzen, die ihr hier und hier nachlesen könnt, wuchsen die Waidpflanzen dann ganz langsam und stetig. Einen Teil pflanzte ich ins Hochbeet, sie entwickelten sich besonders schnell. Schließlich konnte ich dank der Unterstützung von Manuela   genug frische Waidblätter für die Färbung für unser Projekt ernten.  

  

Waid - Isatis tinctoria, auch der ´König der Farbstoffe´genannt,  gehört zur Familie der Kreizblütler und ist zweijährig. Im ersten Jahr bildet die zweijährige Pflanze eine Blattrosette mit 20 bis 30 cm langen lanzettlichen und ganzrandigen Blättern von blau-grüner Färbung. Diese sind meist kahl, nur später gebildete sind behaart. Färber-Waid erreicht in der Regel eine Größe von 30 bis 150 Zentimetern.

 

Im zweiten Jahr wachsen bis zu 120 bis 150 cm hohe aufrechte Stängel, die oben verzweigt und kahl, unten mit einzelnen Haaren besetzt sind. Die untersten Blätter sterben zur Blütezeit ab.  Der Färber-Waid blüht zwischen Mai und Juli.
 
 
Vorkommen und Standort: Der Färberwaid  stammt aus Westasien. Im Mittelalter wurde er in Europa angebaut. Heute wächst er hauptsächlich verwildert. Er bevorzugt trockene Hänge und  Felsen.
Verwendete Teile:
Gefärbt wird mit den Waidblättern.
Inhaltsstoffe:
Die Waidblättern enthalten keinen blauen Farbstoff, sondern die Blätter des Färberwaid enthalten hauptsächlich Isatan A und Isatan B als farblose Vorstufen des Pigments Indigo. Nach der Ernte wird Isatan in Zucker und Indoxyl gespalten und anschließend dann zu Indigo oxidiert. 

Färberezept: Meine Küpe aus Waid war angelehnt an das Prinzip nach David Hill: aus dem Buch: von Falk Fischer: Das blaue Wunder Waid, Wiederentdeckung einer alten Nutz- und Kulturpflanze, S. 45-48, siehe hier beschrieben habe. In dem Heft von Hansjürgen Müllerott: 19 Rezepturen findet man Rezepte zum Färben mit Waid und Indigoextraktion, aus 2 Jahrhundeten. Insgesamt ergab meine Ernte 666 gramm frische Waidblätter. Rezepte für Waidfärbung findet ihr ausser in dem oben genannten Buch noch hier, und hier.                                                                              



Kurse findet hier bei Karin Tegeler, sie wohnt sehr idyllisch im Harz und ist eine langjährig erfahrene Färberin und Pilzexpertin.

 



Der Samen meines Färberwaids stammt von Anne, die auch das Pflanzenfärbeprojekt 2013  initiiert hat, nochmal herzlichen Dank für alles Anne.  Ansonsten wer von euch Samen bestellen möchte, den gibt es auch hier bei mir um die Ecke im Templiner Kräutergarten. Die Farbpalette wurde noch mit  Cochenille ergänzt.

 

Zur Geschichte: 
Die Pflanze wird seit dem Altertum als Färberpflanze kultiviert. Die Briten rieben sich laut Cäsar vor kriegerischen Auseinandersetzungen mit Färberwaid ( Vitrum) ein. In Deutschland wird der Färberwaid seit dem 9.Jahrhundert, hauptsächlich in Thüringen angebaut. Die Stadt Erfurt erlangte als Zentrum des Waidhandels Macht und REichtum, ebenso wie die anderen Waidstädte. Zur Verarbeitung waren Waidmühlen erforderlich. Färberwaid war bis ins 16.Jahrhundert wichtitg für die Herstellung von blauem Leinen. Das Verfahren war so kompliziert, dass sich im Mittelalter sogar eine eigene Zunft, die Blau- und Waidfärber bildete. Waid wurde dann durch den echten Indigo aus dem tropischen Schmetterlingsblütler, Indigofera tinctoria aus Indien verdrängt. In den ursprünglichen Verfahren vergoren die Indigobauern dicke Bündel des Pflanzenfärbematerials unter Zusatz von Urin. Dieser Prozess fand in großen Kübeln statt. Die erhaltene gelb-grüne Flüssigkeit nannte man Küpe nach dem lateinischen Wort für Bottich cupa. Mit der komerziellen Herstellung synthetischen Indigos seit 1897 verschwand auch der natürlich Indigo weitestgehend vom Markt. 

Eine Anleitung zum Anbau von Färberkrapp, Waid, Färberkamille und Wau findet ihr hier. Ich hoffe ich habe euch jetzt ein bisschen Lust auf Anbau von Waid und und Färben mit Waid gemacht. Viel Freude weiterhin beim Färben mit Pflanzenfarben.

Montag, 19. August 2013

Kreisweste Regenbogen gestrickt - handgesponnen - pflanzengefärbt

Immer mal so nebenbei gestrickt, wurde wieder eine Weste fertig. Jetzt wo die Abende wieder etwas kühler sind, ist wieder Westenzeit.


Die Weste ist aus einer Vielfalt an Garnen und Wolltypen zusammen gesetzt. Da gibt es Wollreste aus meinem Deckenprojekt mit Schafwolle von verschiedenen Schafrassen , Wollproben aus Kamel, Alpaka, Angora, Seide, Perlengarn und Mohairwolle,  die ich mit Pflanzenfarben gefärbt hatte. Da gibt es kleine Tut mir gut Garne und alles zusammen, ergab diesen Regenbogen. Und wenn ihr jetzt denken solltet, oje diese Vernäherei der Reste das tue ich mir nicht an, dann kann ich euch verraten, dass es so gut wie keinen Rest zu vernähen gab, da ich die Enden beim Stricken, gleich miteingewebt habe, das hat Alpi auf ihren Seiten ganz wunderbar bebildert. Über die Jahre entstanden viele kleine handgesponnene und mit Pflanzenfarben gefärbte Garnreste, die ich nun mal zu einem Regenbogen zusammengestellt habe. Anleitung ist wieder von hier.



Zwischendurch ist es natürlich auch empfehlenswert, die Weste immer wieder anzuprobieren, damit man rechtzeitig aufhört ;-) .

 

 Stricken im Kreis mit einfachen Mustern, das geniesse ich immer sehr und erlebe es als ganz meditativ und entspannend. Stricken tut eben auch der Seele gut ;-) Inzwischen ist ja auch erwiesen, dass Stricken den Blutdruck senkt, Stress abbaut und Kreativität und logisches Denken stärkt. Bei mir gehört neben meiner Familie und Kultur auch Stricken, Spinnen, Färben und in der Natur sein zu meiner Burnoutprophylaxe. Wie ist das so bei euch ? Was macht ihr zur Burnoutprophylaxe ? Euch eine gute Woche und vielen Dank für eure Kommentare zum Hanffaserworkshop.
NachtragJetzt überlege ich ob ich die Weste ergänze und anknöpfbare Ärmel dazu stricke. Was habt ihr für Erfahrungen und Gedanken dazu ? Ärmel mit Knöpfen und Knopflöchern oder mit Druckknöpfen oder sogar mit Reissverschluss ?

Donnerstag, 15. August 2013

Netzwerk textile Hanf-Verarbeitung ∙ 2. Workshop Hanf ∙ Spinnen Weben Filzen in Prenzlau

Eingeladen war zum Netzwerk textile Hanfverarbeitung 2. Workshop. Zum 1. Workshop könnt ihr hier nochmal nachlesen. 

 
Bei diesem Treffen brachte jeder das mit, was er aus dem Material vom 1. Workshop produziert hatte. So hatte ich inzwischen damit experimentiert Hanffaser Proben mit Pflanzenfarben zu färben und hatte mit Baumpilz Schillerporling, Krapp und Indigo ( Foto oben ) eingefärbt. Zudem hatte ich aus Hanffilz ein Nadelkissen  genäht und gefilzt.


Es wurde wieder diskutiert zu den Themen:  Hanffaservermarktung, Hanffaseranbau und Stoff aus Hanffaser . Ich hatte mir einige Stoffproben bestellt und war erstaunt wie fein sie sind. Der Weg vom Hanfstroh  zur Faser und besserem Arbeitsmaterial und wie es gehen kann, wurde vom Geschäftsführer der Hanffabrik Prenzlau  Rainer Nowotny nochmal ausführlich dargelegt. Mir wurde auch noch mal klar, dass es ja durch den mechanischen Schnitt der Erntemaschine nicht diese ganz langen Fasern der gesamten Faser ist, so wie früher als die Pflanze noch per Hand geerntet wurde. Es handelt sich hier um moderne Aufschlussverfahren und im Ergebnis um die dadurch verfeinerte Hanfkurzfaser. Dann habe ich verstanden was Hanfschäben sind. Ein  Hanfstängel besteht zu 40 Prozent aus Hanffasern und zu 60 Prozent aus Schäben, das sind die Holzteile, des Stengels, der in kleine Stücke zersplittert ist. Schäben wurden meist als Abfallprodukt kaum beachtet, sie finden aber in jüngster Zeit, z.B. als Tiereinstreu,  ihren Weg ins Rampenlicht. Aber auch als Trittschalldämmung haben sich Schäben durchgesetzt. Neuer ist wohl der Versuch Schäben für Spanplatten und Papier zu nutzen. Annekathrin brachte noch ihre kunstvoll geklöppelten Behänge aus der Hanffaser mit, schaut euch das mal an !

Auch eine von ihr aus Hanffaser geklöppelte Margaritenspitze, eine historische Besonderheit nach einer Vorlage aus dem 18. Jahrhundert, brachte sie mit. Wer sich dafür interessiert, kann sich gerne an sie wenden.


 Leider konnte ich nicht die ganze Zeit dabei bleiben. Es war eine sehr nette Runde und ich wäre gerne noch bis zum Schluss geblieben. Danke an Alle Aktiven, auch für die Superverpflegung, an Frank Viohl für die Organisation, Moderation und Umsetzung, an Helga-Marie für die technische Netzwerkbetreuung, an Rainer für  den Raum und die Informationen zur Hanffaser und an euch Alle Ihr Kreativen, danke für den anregenden Austausch. Helga Marie hatte Hanf mit Wolle zu interessanten Ergebnissen verwebt,Katja hatte ein Riesenknäul Hanffaser inzwischen versponnen, Beate Flier Künstlerin und Weberin, hatte schon letztes Mal ihr Kunstwerke mitgebracht, sie produziert kunstvolle Textilien, ihre Homepage wird gerade umgebaut immer mal wieder reinschauen und Christina Kuchelt gibt in der VHS Schwedt einen Wollkurs, falls jemand der hier mitliest gerade in der Nähe wohnt. Sie hatte kunstvolle Töpferanhänger mit dem Hanf als Ketten verbunden, wie ihr sie oben auch dem Foto seht. Dann gibt es noch jemanden der Spinnaufträge annimmt, Anfragen gerne an mich, ich leite sie dann weiter.
 
Hanfpflanze
 Wer gerne bei dem internen textilen Hanf- Netzwerk mitmachen möchte, kann sich bei Interesse für das Thema, von einem Mitglied persönlich dazu einladen lassen. Informationen zur Hanffaser findet ihr noch hier, hier und hier. Literatur zum Thema kann ich euch das Buch von Jack Herer und Mathias Bröckers: Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf empfehlen, das jetzt gerade in 42. Auflag erschienen ist. Hier gibt es dazu was zu lesen. Hier könnt ihr die alte Auflage günstig gebrauacht bestellen. Die neue Auflage gibt es wohl demnächst. Dann hat Helga Heubach noch ein tolles Werk dazu verfasst, schaut mal hier, da ist das Inhaltsverzeichnis und Bestellinfos gibt es hier auf der Homepage der Handspinngilde.  Auch kulinarisch ist der Hanf sehr hochwertig als Samen, z.B. ins Morgenmüsli oder als Öl, das könnt ihr hier nachlesen. Kochen & Backen mit Hanf und Hanfsamen und Hanföl als Lebens- und Heilmittel.

 
 Prenzlau ist natürlich mit seiner beeindruckenden Architektur auch immer eine Reise wert. Danke für eure vielen Kommentare zum letzten Indigopost. Nochzur Info: Komme aktuell nicht so viel zum Antworten und Kommentieren bei euch,  wie ich gerne würde. Euch einen schönen Tag !