Samstag, 24. November 2018

Auf den Spuren der Seide in Thailand und Kambodscha I

Auf besonderen Wunsch meiner Blogleserinnen, hier also der 1. Bericht zu meiner Reise: Auf den Spuren der Seide in Thailand und Kambodscha.


Über die sehr anregende und berührende "360" - Geo Reportage, " Die Seele der Seide", die von der vom jahrelangen Bürgerkrieg zerstörten und wiederbelebten Seidenweberkultur in Kambodscha berichtet, erfuhr ich von der besonderen Geschichte der Seidenverarbeitung in Kambodscha.

 

Diese Seidenproduktionsstätten in Asien selbst einmal zu besuchen, reizte mich sehr und so begab ich mich vor 1 Jahr auf eine Reise durch Kambodscha. Zunächst landete ich in Bangkok. 


Von einer meiner vorherigen Asienreisen waren mir Bangkok und Thailand schon etwas bekannt. Darüber habe ich hier schon unter Textile Impressionen aus Thailand berichtet.  Doch konnte ich damals direkt nach der großen Flut Katastrophe nicht alles besuchen. So war ich damals z.B. in der Anantasamakhom Thronhalle, die ich jedem textil Interessierten, der mal in Bangkok ist, nur ans Herz legen kann.Das beeindruckenste Webstück was ich dort gesehen habe, ist ein Wandteppich in den hunderte dieser grünen Käferflügel eingearbeitet sind, so dass der ganze Teppich glänzt und leuchtet. Die Käferflügel werden erst verwendet, wenn die Käfer tot sind. Es gibt sehr viele Kusntwerke traditioneller Seidenarbeit dort zu besichtigen.

 

Leider konnte ich vor ein paar Jahren nicht in das Jim Thompsons Haus. Das habe ich letztes Jahr nachgeholt und wenn man Zeit hat, sollte man sich das auch nicht entgehen lassen. Jim Thompson war ein US- amerikanischer Unternehmer (geboren 1906 und mysteriös verschwunden 1976), der wesentlich dazu beitrug die Seiden und Textilindustrie in Thailand zu revolutionieren. Bei einer Führung wird man durch das ehemalige Wohnhaus geführt und erfährt dabei über die Geschichte der Seidenindustrie in Thailand.


Immer wieder schön sind die Märkte in Thailand. Hier z.B. Textilien aus Hanffasern.


Weiter ging es dann nach Phnom Phen der Hauptstadt von Kambodscha. Die Stadt war unheimlich voll, da gerade das Wasserfestival  am Flussufer des Tonle Sap stattfand. Das traditionelle Wasserfest Bonn Om Toeuk, fällt auf den Tag des Vollmondes und das ist auch genau der Tag, an dem der Tonle Sap seine Fließrichtung ändert. Der Tonle Sap ist nämlich ein einzigartiger Fluss und einer der ganz wenigen auf der Welt, welcher seine Fließrichtung zweimal im Jahr ändert. So fließt er zunächst vom Tonle Sap in den Mekong und dann anders herum. Für die Menschen bedeutete dies, dass früher einfach Waren Fluss auf und ab transportiert werden konnten. Auch heute noch ist das Water Festival ein beliebtes Fest und wird mit Glück für die Bewohner Phnom Penhs in Verbindung gebracht. Auch Nachts waren die Menschen, die aus dem ganzen Land angereist waren, unterwegs. Überall wurde gefeiert, gegessen und getanzt.


Nach dem Besichtigen einiger Sehenswürdigkeiten, wollte ich auf jeden Fall noch die Seideninsel besuchen. Das Silk Island ist als kleiner Touristenpark angelegt, der auf der kleinen Insel Koh Okhna Tey eine der Mekong Inseln, liegt. Wohl jeder Tuk Tuk Fahrer in Phnom Penh kennt die Silk Island und fährt einen gerne hin, da dies ein gutes Tagesgeschäft für den Fahrer ist, der damit seine Familie ernähren muss.

 Wir haben nach einem Aushandlungsprozess für die Hin- und Rückfahrt 20 US-Dollar bezahlt. Erst fanden wir das sehr teuer für Kambodscha, doch als wir mitbekamen, wie teuer hier das Benzin ist und auch die Fähre, die uns dann über den Mekong brachte, staunten wir eher, wie wenig für den Fahrer als Verdienst übrigblieb, im Vergleich zur der Zeit, die er uns zur Verfügung gestellt hatte. Insgesamt waren wir 4 Stunden unterwegs, jeweils 1 Stunde hin und 1 Stunde zurück zur Insel und 2 Stunden im Seidendorf unterwegs. Normalerweise ist November/ Dezember in Asien die kühlste Jahreszeit für uns Europäer, mit 25-28 Grad, doch 2017 war es besonders heiß, auch ungewöhnlich für die Kambodschaner um diese Zeit so 28-32 Grad. So empfahl es sich besonders früh zu dem Seidendorf unterwegs zu sein, sodass wir gegen 11.30 Uhr wieder in Phnom Penh zurück waren.



Auf der Hinfahrt ging es zunächst eine Weile in Phnom Penh am Mekong entlang, dann setzten wir mit dem Tuk Tuk und dem Fahrer mit einer Fähre über den Mekong auf die Insel und anschließend fuhr man noch eine Weile durch eine herrliche Landschaft mit Feldern, Bananenplantagen und landwirtschaftlicher Produktion, bevor man in das Seidendorf kam. Der Eintritt in das Seidendorf kostete nur 1 US Dollar pro Person. Es gab eine Führung in Englisch, die einem die gesamten Schritte der Seidenverarbeitung vom Kokon zum fertigen Schal oder Stoff vorführte. Um einen Seidenfaden zu spinnen nahmen die Frauen dort, die Fäden von 20 Kokons auf und führten es uns auch vor und ließen uns probieren wie es geht, diese Kokonfäden zu einem Faden zu spinnen.



Auf einfachen Arbeitsinstrumenten entstehen die fantastischsten Seidenstoffe einfach faszinierend!


Unter Dächern im Freien standen in diesem Dorf 20 große Webstühle, auf denen die Frauen kostbare Seidenstoffe webten.


 Die Webstühle haben im Durchschnitt so 40 Schäfte, mit 4000 Fäden. Die Frauen benötigen 1 Monat um eine neue Kette auf den Webstuhl zu ziehen und um 1 Meter dieses feinen Seidenstoffs zu weben, brauchen sie 2 Tage.



 
Auf der Insel gab es auch die Hütten zu sehen, in denen die Seidenraupen, deren Kokons zur Seidengewinnung hier verwendet werden, gezüchtet wurden. In Kambodscha sind die Kokons von Natur aus gelb und in China Weiß wurde uns erklärt.


Vorgeführt wurde die Garnproduktion von den Kokons über das Garn bis hin zu der Weberei. Angeschlossen an die Produktionsstätte war ein kleiner Laden, in dem man die Kostbarkeiten kaufen konnte. Die Frauen wohnen, arbeiten und leben hier mit ihren Kindern. An den Wochenenden sind die Insel und das Seidendorf mit seiner schönen Lage am Mekong Fluss ein Ausflugsziel für kambodschanische Familien. 

Von Phom Phen ging die Reise mit dem Bus erst in den südlichsten Teil und an die Küste von Kambodscha und von dort dann wieder in den Norden. Dazu gehts dann im nächsten Beitrag weiter. 

Nächstes Wochenende ist ja schon der 1. Advent. Da sitze ich auf dem Kamelhof in Nassenheide und spinne Kamelwolle mit Sariseide. Vielleicht sehen wir uns dort!


Nun kommt unbeauftragte Werbung: 

 Einladung 2018 1.jpgEinladung 2018 2.jpg


An allen Adventswochenenden Samstag und Sonntag  14 - 18 Uhr
Auf dem Kamelhof in Nassenheide, Am Dorfanger 12
Kleiner stiller Markt * Kunsthandwerk * Geschenke * Schätze
Friedliche Kamele in der Scheune * Feuer * Essen * Trinken

Dienstag, 20. November 2018

Kissen aus Pommernschafwolle - Kapok oder Wolle ?

Immer mal wieder entstehen hier ein paar Kissen, nun mal welche aus Pommernschafwolle. 


Ich liebe die Vielfalt der Pommernschafwolle und freue mich, dass es sie regional hier gibt.

 
 

 Als Single versponnen und verstrickt


Die Hüllen sind einfach gestrickt mit Perlmuster auf der einen und glatt rechts auf der anderen Seite. Eine Kissenhülle ist noch in der Waschmaschine verfilzt worden. Die Hüllen wiegen so ca. 430 gramm. Immer wieder stellt sich mir die Frage,  mit was fülle ich die Kissenhüllen. Mit Kapok ....
 
 

... oder Wolle. Kapok auch Pflanzendaunen genannt, ist die flaumige Holfaser, der Samen des Kapokbaumes, besteht aus Zellulose und ist schwach verholzt. Wegen der geringen Festigkeit ist es allein nicht verspinnbar, kann jedoch zusammen mit anderen Fasern versponnen werden. Die luftgefüllten Hohlräume verleihen der Faser wärmende Eigenschaften, sie ist 10 bis 30 mm lang, sehr leicht, durch den Lufteinschluss, weich und glänzend, der natürliche Fettgehalt macht sie wasserabstoßend und sie ist unempfindlich gegenüber Motten und Ungeziefer  ! Daher wird die Kapokfaser auch als Polster- und Füllmaterial z.B. bei Steppdecken, Kissen, Matrazen und Schlafsäcken verwendet. Vorteil von Kapok : unempfindlich gegenüber Motten. Nachteil: der Kapokbaum wächst in den Tropen muss eingeführt werden, ist also nicht regional.


Die Vorteile von Wolle sind ja hinlänglich bekannt, sie gibt es hier auch regional, allerdings gibt es da die Mottengefahr. Nächste Frage: Nähe ich zusätzlich ein Inlet oder nicht?  Nun habe ich es einfach und schnell so gemacht, dass ich kein Inlet genäht habe und ein Kissen mit Kapok, das hatte noch vorrätig hatte und das andere mit Wolle gefüllt habe. so kann ich über die Zeit gut vergleichen. Die Wolle die ich für die Kissenfüllungen nehme sammle ich immer von der kleinen Walze des Kardiergerätes ab. Kissen man wirklich nie genug haben und vielleicht sucht ihr ja noch nach einer Idee für Weihnachten? Habt noch eine gute Woche!
verlinkt bei: creadienstag

Mittwoch, 14. November 2018

Teppich aus Naturwolle mit mobilem Webgerät

So die Weberei hat mich wieder. Auf dem 1977 von Christel Diekmann  entwickelten Webgerät, habe ich aus Teppichwolle aus reiner Wolle, die ich ....

 

...vorher mit dem Country Spinner noch verzwirnt habe, einen Wunschtteppich 180x45 gewebt. 


Doch der Reihe nach. Zuerst Materialauswahl aus meinen Vorräten: Teppichgarn mit Seele. 


Da es mir zu dünn war: Verspinnen des Teppichgarns mit dem Ashford Spinnrad. Ziemlich mühsame Angelegenheit bei der Stärke! 


Weiter ging es mit Garnberechnung, Webprobe, Kette, Einzug....

Dann wurde gewebt...
 

... und nun hält der kleine Teppich 180 x 45 cm im Winter die Füsse in einem Wohnmobil warm.
 

Das erste Gerät hatte ich bei meiner Spendenaktion weggegeben, doch nun hatte ich mir ein neues besorgt. Christel Dieckmann vertreibt die Webgeräte inzwischen nicht mehr. Vor vielen Jahren kannte ich das Gerät noch nicht und hatte mir nach einer Zeichnung in einem Buch, Einfaches Weben, ein Gerät nachgebaut, das geht auch gut,wenn ihr mobil weben wollt. Das zugrunde liegende Foto kann ich leider wegen copyright nicht zeigen. Ich hatte mein selbst nachgebautes mobiles Webteil dann für eine Spendenaktion weggegeben. Draussen und auf Reisen hatte ich damit viel gewebt.


Nun webe ich also wieder und geniesse den November.


Auch der November war mal beim Psychologen und der Therapeut meint: mhm Sie sind der erste Monat der sich bei mir Rat holt. Der November hatte eine Werteproblem:  «Ich hätte gerne etwas, das mich auszeichnet.» «Sind Sie nicht der Monat der Stille? Der Monat, in dem die Philosophie blüht? Die Literatur am Kaminfeuer? Sie könnten der Monat sein, der den Menschen Zeit gibt für das, was sie zu tun lieben. Zeit zum Sein. Zuständig für die Lebens-Zeit». Hier noch mehr zur  Ode an den November.  Danke für eure Kommentare zu meinem letzten Post. Ich wünsche euch eine gute Novemberzeit! Wünsche euch auch noch einen  schönen Herbst.

Freitag, 2. November 2018

Färben mit Walnussschalen im Jahrhundertsommer 2018

So ein Walnussjahr habe ich noch nicht erlebt! 80 Kilo Walnüsse von einem Baum, stellt euch das mal vor. In dem besten Walnusserntejahr hatten wir 2011...

 

 ... mal 40 Kilo und das fand ich schon viel. Da kam schon die Sorge ob die Äste denn alle halten.

 


Sie hingen teilweise so dicht über dem Boden, dass ich hätte die Nüsse per Hand abpflücken können. Allerdings soll man das nicht machen, da die Ernte des nächsten Jahres dann darunter leiden soll. Man soll schön geduldig warten bis die Nüsse fallen. 

 

Allerdings waren die Nussschalen dieses Jahr von anderen Qualität als sonst. Sonst die Jahre, als es nicht so trocken im Sommer war, waren die Walnussschalen richtig schön grün. Dieses Jahr gab es auch grüne Schalen, doch unglaublich viele waren entweder schon vertrocknet oder sogar schwarz. 

 

Sonst die Jahre habe ich immer mit 2 Eimern gesammelt. Ein Eimer für die Nüsse und 1 Eimer für die Schalen. Dieses Jahr habe ich mit 3 Eimern gesammelt , einer für die Walnüsse, einer für die grünen Schalen und ein Eimer für die schwarzen Nussschalen. 


Gefärbt habe ich diesmal insgesamt 4,6 Kilo Wolle. 1 Kilo Handgesponnene Wolle verschiedener Schafrassen, 500 gramm Moorschnucke, 500 gramm Pommernschaf, 500 gramm Leineschaf und 2 kilo Gotländisches Pelzschaf! Ausserdem noch die letzten 200 gramm von deiner Mohairwolle Maria. 
Es gibt vermutlich wieder ein Kleidungsstück daraus, so wie jedes Jahr, dann werde ich noch etwas mit in meinen Kurs nehmen und dann ist die Wolle erfahrungsgemäß schnell weg :-).

Letztes Jahr hatte ich mir ja u.a. einen Hüftschmeichler mit Tasche daraus gestrickt. Meine Anleitung dazu...

...findet ihr hier. Mal sehen was es diesmal wird. Das Gotländische Pelzschaf das lockt mich schon sehr...

Natürlich gibt es auch wieder Apfel -Walnusskuchen, Walnussmuffins und Walnussbrot wie jedes Jahr. Rezept ist hier zu finden, doch ich ersetze jetzt meist Stevia durch Xylit. 

 

Und dann habe ich neu entdeckt, dass man von den Nusskreuzchen einen Tee machen kann,  "der hilfreich bei Herzschwäche ebenso wie zur Stärkung der Nerven und zur Förderung des Schlafessein soll." Textquelle und Info dazu hier. Wußtet ihr das?( Link kann Werbung enthalten – unbeauftragt, unbezahlt)

Wie die Liebe noch mindestens 1 Jahr hält, das kann man mit dem Walnuss- Orakel rausfinden. Setzt man 2 Walnusschalen in eine Schüssel ins Wasser und schwimmen sie aufeinander zu, dann hält die Liebe noch mindestens 1 Jahr, das steht auch hier. (Link kann Werbung enthalten – unbeauftragt, unbezahlt) Ist schon eine spannende Sache mit den Walnüssen, jedes Jahr finde ich was neues heraus. Jedes Jahr ist es anders auch mit der Natur und dem Färben. Herrlich!

Einige letzte Färbungen bzw. Überfärbungen und Stufenfärbungen mit Seide und Sockenwolle hängen noch im  Walnusstopf. Es soll ja schließlich jeder Tropfen ausgenutzt werden von dem kostbaren Färbesud und so gibt es noch Färbe- Überraschungen am Wochenende.

 

So jetzt wie jedes Jahr sind jetzt wieder die Nistkästen dran und natürlich habe ich den Bericht über die Seide in Kambodscha nicht vergessen. Wie ist das mit euren Walnussfärbungen dieses Jahr gewesen? Ich grüße euch nochmal alle ausdrücklich von der Spinngruppe. Was waren wir gestern für eine tolle große Runde. 14 Frauen und waren ja garnicht alle da. Das geballte Spinnwissen aus vielen Jahrzehnten und Anfängerinnen, alles da! Danke Brigitte immer wieder für deine tollen Werkstatträume auf dem Werkshof Wolfsruh. (Link kann Werbung enthalten – unbeauftragt, unbezahlt) Wenn wir alle Garnschalen bei dir töpfern wird es aber schön kuschelig in der Werkstatt. ;-) Grüße an die Urlauberinnen. Habt eine gute Zeit.
Nachtrag: Eine Leserin macht mich auf die Information zu den schwarzen Nüssen aufmerksam. "Schwarze Nüsse kein Grund zur Panik"  hier  nachzulesen. Die Schäden sind auf die Walnussfruchtfliege zurückzuführen. Danke für die Information Christine

Donnerstag, 21. Dezember 2017

Zeit, DANKE zu sagen

2017 war ein aufregendes und volles Werkstatt-Jahr. Färbekurs, Ecoprintkurs, Spinnen tut der Seele gut Kurs,  und viele Marathon- Färbetage hier in meiner Werkstatt.

 

Nun ist es Zeit mal wieder danke zu sagen, danke für alle eure Anregungen und Kommentare 2017 und auch für eure Unterstützung bei dem Textilprojekt für Kinder. Seit über 10 Jahren blogge ich nun schon und so sage ich auch danke für alle eure Kommentare und Anregungen während all dieser Jahre. Das nächste Jahr bringt viele Veränderungen mit sich und für das Blogschreiben und Kommentieren werde ich daher keine Zeit mehr haben. Färbekurse werde ich leider nicht mehr anbieten können. Im Moment kann ich auch noch nicht einschätzen, ob es mit dem Bloggen hier irgendwann noch einmal weitergehen wird.   


So wünsche ich euch nun frohe Feiertage,  Gesundheit, Glück und Zufriedenheit für das Jahr 2018! Habt weiterhin viel Freude beim kreativen Tun!