Montag, 6. Juli 2026

Erinnerungsgarn aus Coburger Fuchsschafwolle - In Verbindung bleiben

Bei großem Schmerz und großer Sehnsucht in meiner Trauer, setzte ich mich oft an mein Spinnrad und spann Wolle und dabei liefen die Tränen. Es wurde zu einem heilsamen Ritual. 

 Es entstanden 600 gramm- ein Erinnerungsgarn aus Coburger Fuchsschafwolle, aus dem ich mir einen Pullover stricken möchte. Dabei stellte ich mir beim Spinnen oft vor, wie mein verstorbener Mann, Thomas Gitarre dazu spielte und dazu sang – so, wie er es früher oft getan hatte.

Das Spinnen von Wolle kann eine sehr wirksame Methode sein, um bei derTrauerverarbeitung zu unterstützen. Ebenso natürlich alle anderen textilen Techniken, wie Filzen, Stricken, Häkeln, Nähen, Sticken und andere mehr... Die rhythmischen und repetitiven Bewegungen wirken beruhigend, ähnlich wie Meditation, und helfen dabei, die Gedanken zu ordnen und Emotionen zu verarbeiten. Gesponnen habe ich an schönen Orten an denen ich auch gerne mit meinem Thomas war und am Feuer: 

 

Wie Spinnen oder andere textilen Techniken dir in der Trauer helfen können: 

  • Achtsamkeit und Meditation: Der monotone Ablauf des Spinnens erfordert Konzentration auf den Moment und die Bewegung, wodurch der Kopf frei wird und man über Dinge nachdenken kann, ohne bewusst zu grübeln. Ebenso ist es beim Stricken, Filzen, Sticken...
  • Struktur und Rhythmus: Trauer kann sich chaotisch anfühlen. Eine strukturierte, handwerkliche Tätigkeit wie das Spinnen oder andere textile Techniken geben dem Alltag einen Rhythmus zurück und schaffen ein Gefühl der Kontrolle in einer unkontrollierbaren Situation.
  • Kreativer Ausdruck: Das Verarbeiten von Wolle zu einem Faden ermöglicht es dir, innere Gefühle und Erinnerungen auf gestalterische Weise auszudrücken. Das Material selbst, die Farben und die entstehende Textur können symbolisch für den Heilungsprozess stehen.
  • Ein greifbares Ergebnis: Am Ende des Prozesses hälst du etwas Greifbares in Händen – einen Faden oder ein Garn. Dieses Ergebnis kann dir ein Gefühl der Erfüllung und des Fortschritts vermitteln, was in Zeiten der Trauer besonders wertvoll ist.
  • Verbindung zu Traditionen: Spinnen ist eine jahrhundertealte Handwerkskunst. Ebenso andere textile Techniken. Die Verbindung zu alten Traditionen kann dir Trost spenden und ein Gefühl der Kontinuität vermitteln.

Praktische Ansätze dazu noch: 

  • Erinnerungsprojekte: Du kannst Wolle spinnen, um daraus anschließend etwas für den Verstorbenen Wichtiges zu stricken oder zu häkeln (z. B. einen Schal oder eine Decke). Manche Menschen spinnen sogar Haare von geliebten Haustieren zu Garn.
  • Gemeinschaft: Es gibt Spinn- und Strickgruppen oder Online-Communities, in denen du dich mit Gleichgesinnten austauschen kann. Der Austausch mit anderen, die ähnliche Erfahrungen machen oder einfach nur das Hobby teilen, kann sehr unterstützend sein.
  • Professionelle Begleitung: Handarbeit wird auch in der Kunsttherapie als Methode zur Trauerbewältigung eingesetzt. Eine professionelle Begleitung kann dir helfen, die durch das Spinnen ausgelösten Gedanken und Gefühle zu reflektieren. 

Das habe ich in meinen Kursen "Spinnen tut der Seele gut", siehe HIER, HIER, und HIER, immer angeboten und werde jetzt auch öfter angefragt ob ich es wieder anbiete. Darüber denke ich gerade nach! Spinnen als kreativen und achtsamen Weg, um mit dem Schmerz der Trauer umzugehen und Trost in der schöpferischen Tätigkeit zu finden. Darüber könnt ihr auch in meinem Buch "Spinnen tut der Seele gut" Anleitung zur Selbstfürsorge lesen, z.B. spinnen eines Kraftgarns oder Loslassgarn.  

Wie ist das bei euch? Spinnt ihr Garn wenn ihr trauert oder macht andere textile Techniken, die euch helfen?  

2 Kommentare:

  1. Dein lieber Kommentar gerade bei mir hat mir veranschaulicht, dass ich bei dir auch schon lange nicht mehr gelesen habe. So ist mir uch entgangen, dass wir beide den gleichen Verlust verarbeiten & tragen müssen, den des Lebensmenschen. Es sind nun bald vier Jahre bei mir um und ich kann von diesem zurückliegenden letzten Jahr sagen, dass ich es schätzen gelernt habe, nun ganz alleine über meine Zeit und damit meine Interessen verfügen zu können. Selbstliebe - etwas, das mir in meiner Sozialisation eigentlich verboten war. Ich bin meinem Mann dankbar für dieses Geschenk. Ich habe mich wandeln können und meinem doch eher otrovertierten Charakter den nötigen Raum ermöglicht. Die Arbeiten mit der Hand sind größtenteils der Beschäftigung mit Literatur gewichen, und ich kann die große Bibliothek, die er mit hinterlassen hat, jetzt erst ausschöpfen. Da ist dann die Verbindung...
    Wie ich sehe, hast du auch deinen eigenen Weg gefunden bzw. beibehalten, was mich sehr freut. Ich treffe doch immer wieder mal auf Frauen, denen es (noch) nicht gelingt.
    Alles Liebe!
    Astrid

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  2. Liebe Astrid,
    jetzt erst lese ich deinen Kommentar. Früher war ich regelmäßige Blogschreiberin, während der Trauerzeit nur noch ab und zu. Doch ich merke, dass es auch schön ist, wenn sich hier Menschen nach ihrem Verlust trauen, ihre Gedanken und Erfahrungen miteinander zu teilen.Meine Kommentare habe ich daher auch bewusst anonym freigegeben.
    Danke für deine offenen und so persönlichen Zeilen. Es hat mich besonders berührt, wie du beschreibst, dass aus dem Verlust nach und nach auch neuer Freiraum entstanden ist. Dass du sogar etwas entdeckt hast, das in deiner Sozialisation eigentlich verboten war. Wie wertvoll!
    Wie wunderbar, dass die Bücher und die Bibliothek, nun zu einer lebendigen Verbindung zwischen euch geworden sind. Manchmal finden wir ja genau in solchen kleinen, alltäglichen Dingen eine neue Form der Nähe und Verbindung, die uns weiterbegleitet.
    Bei mir sind es inzwischen auch gerade vier Jahre her. Seit einem halben Jahr bin ich in Rente und genieße es sehr, mehr Zeit zu haben für Alles was mir Spaß macht. Ich mache sogar noch neue Weiterbildungen, weil sie mir Freude machen. Es macht mir auch Spaß in meiner privaten Praxis ein wenig weiterzuarbeiten. Nach und nach sind Dinge wieder möglich geworden, die lange nicht gingen. Das ganze erste Trauerjahr konnte ich meine Gitarre nicht mehr in die Hand nehmen, weil mein Mann nahezu täglich gespielt und gesungen hat. Heute spiele ich wieder, auch dank der Enkelkinder – und es fühlt sich nicht wie ein Abschied an, sondern wie eine andere Form der Verbundenheit. Ich bin dankbar für das, was ich erleben durfte. Eine 36 Jahre lange besondere Beziehung mit einem Seelenpartner.
    Ich gehe zum Literaturkreis, auch wieder zum Tanzkreis und wieder zur Spinngruppe. Und fast täglich schreibe ich an meinem neuen Buch. Das Schreiben war schon immer mein Weg, Erlebtes zu verarbeiten und ihm einen Sinn zu geben.
    Ich glaube, genau darin liegt etwas Hoffnungsvolles: Die Liebe zu unserem Lebensmenschen bleibt, und gleichzeitig darf nach und nach wieder Neues wachsen. Jede findet dabei ihren eigenen Weg und ihr eigenes Tempo. In Köln habe ich auch Freunde wohnen, vielleicht gehen wir mal einen Kaffee trinken zusammen wenn ich da bin und du Lust und Zeit hast.
    Danke für deine Worte und alles Liebe für dich.
    Herzliche Grüße
    Anke

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