Samstag, 12. Oktober 2019

Projekt: Decke aus Schafwolle II Teil 10 mit Wolle vom Border Leicester Schaf

Das Border Leicester Schaf ist eine alte englische Schafrasse und wurde 1767 von zwei schottischen Brüdern gezüchtet. (2)  Im Fleece & Fiber Sourcebook findet ihr ihr die Schafe unter dem Kapitel "English Longwool Familiy" (2) Verwandt sind die sie mit den Bluefaced Leicester Schafen. Allerdings sind die Schafe im Fleece & Fiber Sourcebook amerikanische Border Leicester. Meine Wolle stammt von den Britischen Border Leicester mit geschlossenem Vlies.


Wegen ihrer Welligkeit und ihrem Glanz ist die robuste Wolle sehr beliebt. Kardiert hatte ich die Wolle schon im Frühling, wie ihr an den schönen Löwenzahnblüten sehen könnt. 2x kardieren reichte zum Verspinnen. Es ließe sich auch aus der Flocke gut verspinnen. (3). Für meine Decke ist die Wolle sehr geeignet schön griffig und robust.

 

Alle Teile der Decke spinne ich nach wie vor als Single, also Einzelfaden. Den Rest der Wolle habe ich dann, da sie so schön zu spinnen war, noch für ein anderes Projekt versponnen und verzwirnt.



Zur Wolle:
Schur: Lämmer ca. 1,8 Kilo, einjährige Schafe schon bis zu 3,2 kilo (1)
Mikron: 30-38 Die Feinheit ist abhängig von dem Ort der Welt wo das Schaf zu Hause ist (2)
Stapellänge: 10 cm bis zu über 25,5 cm möglich, je nach Häufigkeit der Schur (2) (3)
Farbtöne: rein weiß, in Nordamerika auch grau und schwarz (3)



HIER bei chanti in ihrem Faserlexikon findet ihr noch Infos zur Border Leicester Wolle.
oder HIER beim Spinnkreis Retschow.
Danke Astrid  von der Nutztierarche Stocksee für diese herrliche Wolle!

Quelle: (1) wikipedia (2) The Fleece and fiber Sourcebook (3) Spinnkreis Retschow

Mittwoch, 9. Oktober 2019

Film Tip: Natur- Nah: Die Schäferin von Sylt

Unbedingt anschauen!---> Die beeindruckende Arbeit der Wanderschäferin Uta Wree und ihre  seltene Schafrasse Norsk Spaelsau ist dort zur Landschaftspflege auf Sylt zu sehen.  

Wolle vom Spaelsau Schaf

 HIER der Link dazu! Und HIER! Beeindruckend - berührend! 

Dienstag, 8. Oktober 2019

Projekt: Decke aus Schafwolle II Teil 9 Wolle vom Brillenschaf

Immer wieder neu spannend, bleibt die Rohwolle einer neuen Schafrasse zu verarbeiten. Und ja ich arbeite immer noch an meinem Langzeitprojekt Decke II aus Schafwolle. Danke an Ute für die Wolle vom Brillenschaf, die hier schon eine Weile auf Bearbeitung wartete. 



Die Wolle ist sehr leicht  zu verspinnen, daher würde ich sie auch Anfänger empfehlen. Das aus Brillenschafwolle versponnene Garn gilt als besonders reißfest und ist naturweiß. Angegeben wird ein Feinheit von 32-35 Mikron ( C-D- E Feinheit). (3) Die Wolle hat einen wunderschönen Glanz. Böcke liefern ca. 4,5-5,5 kg Wolle und Schafe 4,0-5,0 kg. (1). Die Wolle des Brillenschafs ist schlichtwollig und ziemlich lang. Gemessen habe ich 12-15cm. Gut geeignet um schöne Sitzkissen daraus zu filzen. Die Wolle läßt sich gut verfilzen.



 "Spiegelschaf" oder auch "Kärnter Schaf" wird das Brillenschaf auch noch genannt. Die Wurzeln reichen zurück bis ins 18.Jahrhundert.  Es ging hervor aus einer Kreuzung des alten Landschafs mit dem Bergamaskerschaf und dort besonders aus dem Peduaner Seidenschaf.  Früher war es über weite Teile Österreichs und über das bayrische Alpen- und Voralpengebiet verbreitet. Das Brillenschaf gehört nach der Roten Liste der bedrohten Nutztierrassen zu den als extrem gefährdet eingestuften Schafrassen (1). Seit 1989 ist das Brillenschaf in Bayern als eigenständige Rasse anerkannt. Auf 1000 Stück wird der Gesamtbestand in Bayern geschätzt, daher fördert der Bayrische Staat Maßnahmen zur Erhaltung dieser gefährdeten einheimischen Nutztierrasse. (2)





Brillenschaf - Bildquelle Wikipedia
Literaturquellen:


(1)  http://www.bhg-schafzucht.de/DATEN/brillenschaf-flyer.pdf
(2)  http://www.vieh-ev.de/Rassen/Schafe/brillen.html
(3)  https://www.filzlexikon.de/found-tabellen.html?fillex/tabellen/schafrassen.html

Einen Überblick über alle bisherigen Teile des Deckenprojekts II sind Hier zu finden.
Das fertige Langzeit- Deckenprojekt I 2011- 2014 findet ihr HIER.

Montag, 23. September 2019

Internationaler Spinntag 2019 (WWSIP) in Berlin bei Kunst im Stadtraum , für die Zukunft der Schäfer und den Wert der Rohwolle

Spontan und ungeplant war ich diesmal am 21.9. dem Internationalen Spinntag auf dem Hansaplatz in Berlin mit Schafen, Spinnerinnen und einer Künstlerin. Und das kam so:
 

Zur Geschichte: Am 15.9. 2019 gab es die Schafwanderung - einen Protestzug- mit 200 Schwarzkopfschafen, des Schäfers Knut Kucznik von der Siegessäule  bis zum Hansaplatz. Das habt ihr vermutlich in der Presse gelesen oder gehört. Die Schafschur bringt inzwischen nichts mehr ein, viele Schäfer in Deutschland können von ihrer Arbeit kaum noch leben. Nun haben sie in der Hauptstadt mehr staatliche Unterstützung gefordert - unterstützt von rund 200 Tieren.(1) Mehr zu lesen für euch ---> HIER

Eine Schur kostet dem Schäfer Verband zufolge pro Tier drei bis vier Euro und erbringt etwa vier bis fünf Kilo Wolle. Es sei aber kein Gewinn mehr mit Wolle zu machen, da ein Kilo Rohwolle auf dem Markt gerade mal 20-30 ct cent bringen würde. Weitere Kosten entstehen, da die Wolle als Sondermüll gelte und falls sie keine Verwendung fände, teuer entsorgt werden müsse. (1)

Schwarzkopfschafe
Aktuell verblieben nach der Demo vom 15.9. noch fünf Schwarzkopfschafe für einen Monat im Hansaviertel – sowie ca. 400 kg Rohwolle der geschorenen 200 Schafe. Ein umgebauter Container wurde in der Nähe der Bibliothek direkt am U-Bahn Ausgang Hansaplatz positioniert und dient den Schafen als Stall. Ebenso wird Rohwolle und bereits verarbeitete Wolle dort gelagert. Bereits fünf Familien haben die Patenschaft übernommen um auf die Schafe aufzupassen. Morgens werden die Schafe so auf die Wiese geführt und abends schlafen sie dann in ihrem Stall.  (2) 

Schafstall aus 500 kilo Wolle vom Schwarzkopfschaf

Die Künstlerin und Bildhauerin Folke Köbberling formuliert das so: "Das archaische Bild der Wolle bildet einen Gegensatz zur modernen Stadt von morgen und lädt alle Bevölkerungsgruppen dazu ein, die Wolle gemeinsam zu verarbeiten. Wolle ist ein Material, das dämmt, akustisch filtert, duftet, fettet, heilt, wärmt und auch therapeutisch eingesetzt wird. Durch das „öffentliche Arbeiten“ werden viele Anwohner*innen darüber informiert; einige haben bereits ihr Interesse bekundet. Ziel ist es, Wolldecken zu filzen. Angelehnt an die Herstellung einer Jurte ist die Verarbeitung von Filzdecken eine gemeinschaftliche Arbeit, die neben der Bibliothek stattfinden soll. Dabei ist der Prozess wichtiger als das Endprodukt. Der Verbleib der Filzdecken wird gemeinsam mit den Akteur*innen diskutiert und umgesetzt." (2)

 

Vor Kurzem gab es auch den Dokumentarfilm über die Schäferin Kathleen Bauschke die mit ihren Schafen über die Wiesen von Ermsleben in Sachsen-Anhalt zieht. Der Moderator Sven Voss war auf Spurensuche, wie es um einen der ältesten und traditionsreichsten Berufe bestellt ist. Haben Schäfer bei uns noch eine Zukunft? lautete die Frage. Inmitten der idyllischen Landschaften des Vorharzes zeigte sich, dass die Schäferin von einer heilen Welt weit entfernt ist. Ihr Beruf, dem sie mit Herzblut nachgeht, stirbt aus. Zogen im 19. Jahrhundert noch 28 Millionen Schafe durchs Land, sind es heute 1,6 Millionen und es werden immer weniger. Der Film ist noch in der mediathek (3)

 

Zurück zum Spinntag: Katrin Sonnemann, die Projektleiterin der Rohwollkampgne hatte kurzfristig aus oben genanntem Anlass zu einem Treffen am Internationalen Spinntag zur Unterstützung der Schäfer aufgerufen und dazu auf den Hansaplatz eingeladen. Es hatte tatsächlich funktioniert, das sich so kurzfristig dort dann Spinnerinnen auf dem Hansaplatz in Berlin getroffen hatten. So saßen wir dort mit den Spinnrädern und 1 Handspindel und waren mit den vorbeigehenden Interessierten gut um Gespräch und informierten über den Wert der Wolle und dass wir die Schäfer mit ihren Forderungen unterstützen. Einheimische Wolle ist klimafreundlich, wird sie doch nicht erst mit riesigen Containerschiffe, die Unmengen an Schiffstreibstoff verbrauchen, um den halben Erdball aus Australien hierher geschippert. Die Bildhauerin und Künstlerin Folke Köbberling verlegte dann ihren Vortrag über Wolle extra für uns nach Draussen. Ein besonderes Erlebnis! Danke an Katrin für den Aufruf und an alle Anderen für das schöne Beisammensein und den Austausch.

Quellen:
(1) https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2019/09/schaefer-demonstration-berlin.html
(2) https://kunst-im-stadtraum.berlin/kuenstler-innen/folke-koebberling/?fbclid=IwAR2tckQkiVry0YwJY8P6Tm_uJ6BlFm4jQ1dJ61-v8RFNtrWFAt0iCZpqx0A
(3) Film dazu: Schäfer vor dem Aus:  https://www.mdr.de/video/mdr-videos/c/video-336100.html