Bei großem Schmerz und großer Sehnsucht in meiner Trauer, setzte ich mich oft an mein Spinnrad und spann Wolle und dabei liefen die Tränen. Es wurde zu einem heilsamen Ritual.
Es entstanden 600 gramm- ein Erinnerungsgarn aus Coburger Fuchsschafwolle, aus dem ich mir einen Pullover stricken möchte. Dabei stellte ich mir beim Spinnen oft vor, wie mein verstorbener Mann, Thomas Gitarre dazu spielte und dazu sang – so, wie er es früher oft getan hatte.
Das Spinnen von Wolle kann eine sehr wirksame Methode sein, um bei derTrauerverarbeitung zu unterstützen. Ebenso natürlich alle anderen textilen Techniken, wie Filzen, Stricken, Häkeln, Nähen, Sticken und andere mehr... Die rhythmischen und repetitiven Bewegungen wirken beruhigend, ähnlich wie Meditation, und helfen dabei, die Gedanken zu ordnen und Emotionen zu verarbeiten. Gesponnen habe ich an schönen Orten an denen ich auch gerne mit meinem Thomas war und am Feuer:
Wie Spinnen oder andere textilen Techniken dir in der Trauer helfen können:
- Achtsamkeit und Meditation: Der monotone Ablauf des Spinnens erfordert Konzentration auf den Moment und die Bewegung, wodurch der Kopf frei wird und man über Dinge nachdenken kann, ohne bewusst zu grübeln. Ebenso ist es beim Stricken, Filzen, Sticken...
- Struktur und Rhythmus: Trauer kann sich chaotisch anfühlen. Eine strukturierte, handwerkliche Tätigkeit wie das Spinnen oder andere textile Techniken geben dem Alltag einen Rhythmus zurück und schaffen ein Gefühl der Kontrolle in einer unkontrollierbaren Situation.
- Kreativer Ausdruck: Das Verarbeiten von Wolle zu einem Faden ermöglicht es dir, innere Gefühle und Erinnerungen auf gestalterische Weise auszudrücken. Das Material selbst, die Farben und die entstehende Textur können symbolisch für den Heilungsprozess stehen.
- Ein greifbares Ergebnis: Am Ende des Prozesses hälst du etwas Greifbares in Händen – einen Faden oder ein Garn. Dieses Ergebnis kann dir ein Gefühl der Erfüllung und des Fortschritts vermitteln, was in Zeiten der Trauer besonders wertvoll ist.
- Verbindung zu Traditionen: Spinnen ist eine jahrhundertealte Handwerkskunst. Ebenso andere textile Techniken. Die Verbindung zu alten Traditionen kann dir Trost spenden und ein Gefühl der Kontinuität vermitteln.
Praktische Ansätze dazu noch:
- Erinnerungsprojekte: Du kannst Wolle spinnen, um daraus anschließend etwas für den Verstorbenen Wichtiges zu stricken oder zu häkeln (z. B. einen Schal oder eine Decke). Manche Menschen spinnen sogar Haare von geliebten Haustieren zu Garn.
- Gemeinschaft: Es gibt Spinn- und Strickgruppen oder Online-Communities, in denen du dich mit Gleichgesinnten austauschen kann. Der Austausch mit anderen, die ähnliche Erfahrungen machen oder einfach nur das Hobby teilen, kann sehr unterstützend sein.
- Professionelle Begleitung: Handarbeit wird auch in der Kunsttherapie als Methode zur Trauerbewältigung eingesetzt. Eine professionelle Begleitung kann dir helfen, die durch das Spinnen ausgelösten Gedanken und Gefühle zu reflektieren.
Das habe ich in meinen Kursen "Spinnen tut der Seele gut", siehe HIER, HIER, und HIER, immer angeboten und werde jetzt auch öfter angefragt ob ich es wieder anbiete. Darüber denke ich gerade nach! Spinnen als kreativen und achtsamen Weg, um mit dem Schmerz der Trauer umzugehen und Trost in der schöpferischen Tätigkeit zu finden. Darüber könnt ihr auch in meinem Buch "Spinnen tut der Seele gut" Anleitung zur Selbstfürsorge lesen, z.B. spinnen eines Kraftgarns oder Loslassgarn.
Wie ist das bei euch? Spinnt ihr Garn wenn ihr trauert oder macht andere textile Techniken, die euch helfen?


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