Freitag, 4. November 2011

Der November und das Freudetagebuch

Mit dem Bätterfall, dem dunkler und kürzer Werden der Tage beginnt auch für mich wieder die Zeit , wo ich besonders an meine Ahnen denke.


In vielen Kulturen und Religionen, wie dem Samhainfest der Kelten oder Allerseelen, Allerheiligen, Totensonntag, werden diese Rituale begangen. Da ich beruflich sehr viel Menschen bei Verbindung zu ihren Ahnen, bei Trauer, Schmerz, Verarbeitung von traumatischen Erlebnissen und Tod begleite, begehe ich diese Rituale für mich persönlich aus psychohygienischen Gründen, nur im privaten Rahmen.


Kirschbaum im Novemer 2011

So gehe ich dazu viel in die Natur und bin mit meinen lebenden Liebsten viel und eng im Kontakt. Auch Literatur ist ein wichtiger Baustein: So las ich z.B.  Zwei alte Frauen , eine unheimlich beeindruckende Legende, von Velma Wallis:  Eine Legende von Verrat und Tapferkeit, die mir kürzlich eine sehr liebe Freundin schenkte uind die ich euch an dieser Stelle als sehr lesenswert weiterempfehlen möchte. 


 Auch möchte ich euch zu etwas ermutigen:

Was ich immer wieder feststelle in meiner täglichen Arbeit ist, dass viele Menschen sich sehr intensiv mit den Dingen des Lebens beschäftigen, die nicht oder nicht  mehr  funktionieren, was sie von ihren Ahnen nicht bekommen oder vermisst haben, was sie bedauern, was sie loslassen müssen und oft Nachteile von Gegebenheiten unendlich ausschmücken und Energie dafür verwenden können. 

Meine Aufgabe besteht dann darin, sie darauf hinzuweisen, was TROTZ ALLEDEM TROTZDEM funktioniert und dieses dann auch  WERT ZU SCHÄTZEN. Meine Arbeit hat also viel mit Achtsamkeit und Wertschätzung des Moments zu tun.

Und dazu möchte ich auch ermutigen: Trotz November, trotz Loslassen müssen, trotz " Was alles nicht geht" oder Trotz.....macht euch bewußt, was ihr alles habt, was ihr schon geschafft habt, was euch jeden Tag jeden Moment Wertvolles begegnet.


 Zu diesem Zweck kann ich euch auch empfehlen, euch ein Freudetagebuch anzulegen. Hier habe ich mal für euch den Text von Luise Reddemann (2004), zitiert, wie man z.B. ein Freudetagebuch führen kann:

„Bitte legen Sie sich eine Freudetagebuch zu. Kaufen Sie sich dafür bitte ein hübsches Büchlein oder Heft und dann tragen Sie jeden Abend die Freuden des vergangenen Tages ein.(…)
Es geht darum, dass Sie die kleinen Blumen im Geröll und Sand entdecken lernen. Ein Lächeln eines Babys, ein Satz, der ihre Augen leuchten ließ, die ersten Blumen im Frühjahr…
Tragen Sie bitte alles in Ihr Büchlein ein. Alles ist wichtig genug, dass Sie es festhalten. Sie können auch Sie erfreuende Fotos einkleben, Bilder von Menschen, die Sie lieben, oder schöne Naturfotografien. Auch Gedichte, hilfreiche Sätze, Gebete können Sie in Ihr Freudetagebuch schreiben.(…)
Warum kein allgemeines Tagebuch? Weil Sie dann auch die belastenden Dinge hineinschreiben und jedes Mal, wenn Sie sich Ihre Freuden ins Gedächtnis rufen wollen, über die Belastungen stolpern. Daher ist es günstiger, Sie haben zwei verschiedene Tagebücher.“
(aus: Luise Reddemann: Eine Reise von 1000 Meilen beginnt mit dem ersten Schritt, München 2004)
 

Ich selbst habe mir auch vor langer Zeit schon ein Freudetagebuch zugelegt und die Hülle ebenso wie für mein Skizzenbuch mit dem Embellisher, also meiner Filzmaschine befilzt und mit Perlen und Wolle bestickt. Die Hülle ist aus vielen Resten, u.a. auch Resten, die noch von meinen Ahnen stammen (da schließt sich dann der Kreis für mich wieder). Ahnen denen ich es zu verdanken habe, dass Textiles und Wolle Natur und Farben meine Ressourcen sind und dafür sage ich DANKE. 


Wenn es euch mal gar zu lange zu dunkel  ist oder ihr zu viel loslassen mußtet oder ihr ein bisschen Freude tanken wollt, dann könnt ihr da jeder Zeit hineinsehen und bei einer Tasse Tee ein bisschen Freude und Licht tanken.
 Euch eine gute und achtsame Novemberzeit !

Kommentare:

  1. Ich danke Dir für diesen schönen Beitrag. Danke für die Anregung zum Freudentagebuch, daß ist eine sehr schöne Idee.
    Das Buch "Zwei alte Frauen" habe ich vor ca.15 Jahren gelesen (wie sehr doch die Zeit vergeht)und ich war damals auch tief beeindruckt.

    LG von Juliane

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  2. danke für diese inspirierenden Worte und auch Bilder

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  3. Ja, Du hast so recht, liebe Anke.

    Als ich Sue Bender's Buch 'Everyday Sacred' gelesen habe, war ich von dem Gedanken an die leere Schüssel, die die Bettelmönche mit sich tragen, sehr beeindruckt.

    Ich habe mir dann ein leeres Heft genommen, und für das viele Gute des Tages eine 'Schüssel' gezeichnet, die ich mit Stichwörtern gefüllt habe - den Blogeintrag dazu hier:

    http://bockfilz.blogspot.com/2009/01/my-calendar-bowl.html

    Ich denke, wir können nie genug daran erinnert werden, wieviel Gutes es am Wegrand doch immer gibt. Aber man muß lernen es zu sehen.

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  4. Liebe Anke, danke für diesen Post.
    Er passt sehr zu mir. Ich habe immer so meine Probleme mit dem Herbst und dem Loslassen. Und wenn das Leben wieder mal "Prüfungen" vorsieht, dann stelle ich mir vor ich bin ein Baum. Blätter fallen im Herbst - im Winter sammelt er Kraft, er kehrt in sich zurück - im Frühling erblüht er von neuem. Bäume können doch Vorbilder sein. Kraft und Leben.

    Liebe Grüße
    Silvia

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  5. Liebe Anke
    Vielen Dank für diesen wunderbaren Post. Die Idee mit dem Freudentagebuch kommt mir gerade gelegen und ich werde eines beginnen - jetzt noch im schönen November. Vielleicht kommt dann sogar mein Embellisher wieder zum Einsatz und eine Stickerei dazu. Das allein wäre für mich schon eine Freude.
    Liebe Grüsse

    Brigitte

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  6. Liebe Anke, dasFreudenbuch ist eine liebe Erinnerung auch für später, schöne Idee. So etwas ähnliches, schreibe ich im kleinen Gartenbuch. Eigentlich nichts besonderes, Wetterdaten, welche Pflanzen neu gekommen sind,....
    Die Bücher von Wallis haben mich auch sehr beeindruckt. Eine schöne Woche. Liebe Grüsse Katja

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  7. Liebe Anke,

    das ist eine wunderbare Idee. Gerade z.Zt. sehe ich wieder nichts Positives. Ich glaube, morgen werde ich so ein Buch in die Tat umsetzen.

    glg,
    Corinna

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